Das hier bin ich; ziemlich haeufig sogar!

Das ungeschönte
Lexikon der Computertechnik



Nicht wir arbeiten für den Computer, der Computer arbeitet für uns ...

... nützliches Werkzeug soll er sein, der Computer, der unser modernes Leben leichter und schöner - oder sogar erst möglich macht? Aber was würden sie von einem Werkzeug wie einem vollautomatischen Elektrohammer halten, bei dem vier von fünf Versuchen, ein Bild aufzuhängen, in der völligen Demolierung des Kunstwerks enden? Nicht viel? Erstaunlicherweise haben sich aber fast alle Computerbenutzer mit ganz ähnlichen Zuständen abgefunden. In diesem Lexikon der Computertechnik können Sie lernen, auf welch subtile Weise sie ihr freundlicher Computer zu seinem willenlosen Sklaven macht. Die Stichworte finden Sie alphabetisch geordnet.




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A

Arbeitsspeicher
Entgegen der naheliegenden Vermutung wird in diesem Bereich des Computers am allerwenigsten gearbeitet. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Art wilde Müllkippe für Daten aus Programmen aller Art: Jeder lädt ab, keiner räumt auf. Deshalb muß regelmäßig die Resettaste betätigt werden, die ihrer Wirkung nach eigentlich nicht als Knopf, sondern als Porzellangriff an einer Messingkette gestaltet werden sollte.
B
Benutzeroberfläche
Einige Teile davon sollten bei der Arbeit am Computer aus Gründen sozialer Konventionen bedeckt werden. Computerprofis verwenden dazu gern Shorts und T-Shirts.
Bei einer grafischen Benutzeroberfläche (Tätowierung?) ist das allerdings ganz anders!
Bildschirm
Die mit Abstand sperrigste, kaputteste, energieverschwendendste, unästhetischste und übelriechendste Komponente eines Computersystems. Bis zur flächendeckenden Verbreitung grafischer Gehirninterfaces werden sie sich aber dennoch mit diesen Geräten abfinden müssen.
Entgegen seines Namens gibt ein Bildschirm aber auch akustische Informationen weiter. Die wichtigsten Signale sind:
Mit besonderen Komplikationen müssen sie beim Verzehr von Knäckebrot rechnen!
Bildschirmschoner
Kein selbsgehäkelter Überzieher aus Schurwolle für ekelhafte Monitormöbel, sondern ein weitverbreiteter Softwareartikel. Er schaltet dann, wenn nach seiner voreiligen Meinung dem Monitorbild nicht die gebotene Beachtung zukommt, das selbige einfach ab. Anschliessend wartet er hämisch, bis sich jemand über diese Untat beschwert.

Die Rechfertigung seines Dasein bezieht der gemeine Bildschirmschoner aus dem weitverbreiteten Irrtum, ein unbewegtes Computerbild könnte sich über längere Zeit in das Gedächtnis der Bildröhre einbrennen und aus der daraus resultierenden Angst, dann am Arbeitsplatz unentwegt den 7. Level des neuen Strip-Poker-Spiels betrachten zu müssen. Leider sind auf dem freien Markt bereits seit mehreren Jahren keinerlei Bildschirme mehr erhältlich, die zu solchen Gedächtnisleistungen fähig währen.
Die Reaktion der Bildschirmschonerindustrie auf das leider unabwendbare Durchsickern dieses Umstandes in die Öffentlichkeit bestand darin, den Bildschirm mit den Schonern der neuesten Generation nicht mehr ab, sondern umzuschalten: Über so geschonte Schirme rasen dann atemberaubende Trickfilmsequenzen (die ja eigentlich - denn der Schoner soll ja nur dann aktiv werden, wenn niemand auf den Schirm schaut - niemals irgendjemand zu Gesicht bekommen sollte).

In der Regel verschleißt solche schonende Software ein vielfaches der Rechenleistung, die die ansonsten Benutzten Programme benötigen würden. Gerade in Netzwerken kommt es häufig zu starken Verzögerungen des Betriebs, weil zur Schonung eines Schirms auf irgendeinem angeschlossenen Computer gerade ein Klingonenangriff auf die Enterprise in vier Dimensionen und Stereoton durchgerechnet wird. In solchen Fällen empfielt es sich, eine Hilfskraft vor dem betroffenen Gerät zu installieren, die eine ununterbrochene Benutzung des Bildschirmes vortäuscht.

D
DDR
Nein! In der Computertechnik ist nichts deutsch oder demokratisch an diesem Begriff. Er steht hier lediglich für "Double Data Rate", was andeutet, dass bei Arbeitsspeichern dieses Typs die Daten zweimal schneller aus dem Speicher entleert werden können, als es zuvor möglich war. Eine interessante Parallele ist der Umstand des gerade durch die beschleunigte Entleerung geförderten totalen Kollaps eines zufällig mit dem gleichen Akronym bezeichneten Staatssystems.

Es bleiben zwei Schlussfolgerungen:

  1. Computerhersteller sind bei der Konstruktion ihrer Akronyme in beunruhigender Weise unsensibel für deren bereits vorhandene Assoziationen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass zur Kontrolle eines DDR-Arbeitsspeichers in Zukunft auch noch ein STrongly Accelerated System Interface auf dem Markt erscheint und in unsensibelster Weise akronymisiert wird.
  2. Die SED-Führungsspitze verstand nichts vom kapitalistischen Patent- und Markenrecht. Eine Eintragung der Wortmarke "DDR" in einer anderen als der Markenklasse "Eingezäunte Staatsgebilde fragwürdiger Nomenklatur" hätte postum erhebliche Lizenzeinnahmen bedeutet.

Drucker
Die Antwort der Papierfabrikanten auf das sogenannte 'Papierlose Büro'. Üblich sind heute sogenannte Laserdrucker, die in ihrem Inneren aussehen wie das Puppenhaus von Barbie und Ken® und die auch mit vergleichbarer mechanischer Qualität gefertigt werden. Das überrascht zunächst, denn in einem Puppenhaus wird nicht mit Lasern, mehreren Kilovolt Hochspannung, Ozon oder krebserregendem Feinstaub herumgeklempnert. Aber wen stört das schon?

Falls Sie sich zum Kauf eines solchen Laserdruckers entschließen, sollten Sie unbedingt sofort mit anschaffen:

  1. Eine große Rolle Klebeband, um die Klappen zu den zahllosen Papierauswurf-, Papiereinzug-, Wartungs- und Erweiterungsschächten zu verschließen, die sich im Betrieb immer wieder wie von Geisterhand selbst öffnen.
  2. Etwa die dreifache Menge an Papier, die sie mit dem Gerät zu bedrucken planen. Üblicherweise wird der größte Teil dieses Papieres nämlich nicht bedruckt, sondern zu unterschiedlichen Anteilen verbrannt, zerrissen, zerknüllt oder zur Zieharmonika gefaltet.
  3. Schere und Klebstoff um die Fotos und Grafiken an den Stellen im Text zu befestigen, an denen sie eigentlich hätten gedruckt werden sollen.
  4. Einen schweren Atemschutz gegen den Hausgemachten Ozon-Sommersmog. Lassen Sie sich von Ihrer Feuerwehr beraten.
  5. Baldrian-Kapseln (Familienpackung). Sie werden schon sehen, warum.

Wenn Sie den Drucker in einem Netzwerk betreiben wollen, benötigen Sie zusätzlich:
  1. Die zehnfache Menge an Papier, die sie mit dem Gerät zu bedrucken planen.
  2. Baldrian-Kapseln (Anstaltspackung).
  3. Isotonische Getränke (Ausdruck starten; Sprint; Fehldruck abholen; Sprint; Ausdruck starten; Sprint; Fehler feststellen; Sprint; usw. usf.).
  4. Karte, Kompaß, GPS-Empfänger (je nach Ausdehnung des Netzwerkes).

E
Energiespar-Funktion
Die automatische Selbstsalbungsfunktion für den computerisierten Gutmenschen: Auch der porschefahrende, burgerkauende Spraydosenfan soll endlich doch noch ein Herz für die ach so geschundene Atmosphäre zeigen dürfen. Deshalb ist das wichtigste Element der Energiespar-Funktion ein großflächiger Aufkleber, der an prominenter Stelle des Computers befestigt wird, um die Frohe Botschaft "Hier wird gespart!" effektiv zu verbreiten.
Der zweite Bestandteil einer Energiespar-Funktion ist ein in der Regel debiler Schaltkreis, der in unregelmäßigen Abständen unmotiviert die Stromversorgung wichtiger Systemkomponenten wie Monitor oder Festplatte unterbricht.

Die höchste Kunst der Sparsamkeit aber ist das präventive Energiesparen beim Systemstart: Die Grafikkarte kontrolliert, ob am System überhaupt ein aktiver Monitor angeschlossen ist und schaltet andernfalls energiesparend ab. Im energetischen Idealfall sucht der Monitor gleichzeitig und in ebenso edeler Absicht nach einer aktiven Grafikkarte, findet dieselbe abgeschaltet und stellt dann ebenfalls den Betrieb ein. Das Ergebnis ist ein extrem sparsames Computersystem, das sich allerdings mangels visueller Reize nur noch mittels eines fotografischen Gedächtnisses wieder in einen stabilen Zustand navigieren läßt.

Offensichtlich ist den Sparexperten bislang entgangen, dass ein halber Liter Angstschweiß eines plötzlich erblindeten Computernutzers erheblich mehr zur Erwärmung der Atmosphäre beiträgt, als eine halbe Kilowattstunde.

F

Festplatte
Ein Datenspeicher; häufig von sehr temporärer Art.

"Fest" und "Platte" - diese suggestiven Vokabeln wecken in gar zu vielen Computernutzern ein gefährliches Gefühl von solider Sicherheit. Leider hat der Begriff 'fest' hier eigentlich nichts mit 'stabil' zu tun, sondern bedeutet lediglich, daß das Speichermedium endgültig und irreparabel (eben fest) in das Gerät eingebaut ist. Und der interessante - weil datentragende - Teil der 'Platte' ist nur wenige Mikrometer dick.

Über dieses dünne Eis tragen die die sogenannten Leseköpfe ein Kamikaze-Rennen aus. Mit einer Geschwindigkeit, mit der sie selbst auf deutschen Autobahnen nicht unangenehm auffallen würden, donnern sie tagtäglich über die Platte, immer gejagt von der unersättlichen Datengier sogenannter zeitgemäßer Betriebssysteme. Um deren unmäßigen Erwartungen zu genügen, müssen die Köpfe schon etwas genauer aus der Nähe auf die Platte gucken können: Eine moderne Festplatte läßt ihren Lesekopf im Abstand von nur einem Millionenstel Meter über sich hinwegfegen; Die 'Haaresbreite' Abstand zur Katastrophe ist damit permanent unterschritten.
Solches 'Tieferlegen' herumrasender Objekte ist zwar eine beim Opel Manta bewährten Taktik; Wer allerdings jemals nach einer Samstagnacht die deutschen Straßengräben inspiziert hat weiß, wozu das zwangsläufig führt.
So kommt dann, was kommen muß: Plötzlich ein wirklich häßliches Geräusch, ein Computer mit Totalamnesie. Einige Milliarden unschuldiger Daten, von der Platte gekratzt und zu Staub zermahlen. Nackte Verzweiflung unter den Nutzern. Geplatzte Abgabetermine für Aufsätze, Veröffentlichungen, Diplom- und Doktorarbeiten.
Und irgendwann kommt eine neue Festplatte. Mit noch mehr Platz. Und noch weniger Sicherheitsabstand.

Fazit: Für die Ewigkeit taugt nur ein einziger Typ von Festplattenspeichern - der Grabstein.

H

Hotline
Deutsch: Heißschnur. Die Telefonseelsorge ihres Computerherstellers. Die ersten vier Ziffern der Telefonnummer lauten grundsätzlich '0-1-9-0'. Achten sie darauf, sich bei den übrigen Ziffern nicht zu vertippen, sonst landen sie an einem wohlmöglich noch viel heißeren Anschluß (sie erkennen dies daran, dass es dort nicht der Anrufer sondern der Angerufene ist, der unentwegt stöhnt)!
Sie sollten weiterhin sehr gut zuhören, um trotz des ununterbrochenen Pfeifens der Gebührenimpulse noch etwas verstehen zu können. Zu sagen brauchen sie selbst hingegen kaum etwas, da sie ohnehin im Minutenrhythmus weiterverbunden werden. Die Gespräche enden in der Regel entweder mit dem Verfall des Kunden in den Wahnsinn oder mit dessen totaler Zahlungsunfähigkeit.
K
Knäckebrot
Der Verzehr von Knäckebrot beim Programmieren führt zu starkem Flimmern des Bildschirmes. (Bei einem guten Vollkornknäcke ist der Effekt am stärksten!). Bisher bekannte Möglichkeiten der Abhilfe: Keine.
Kompatibilität
In informatischen Sozialisationen Bezeichnung für die Fähigkeit eines Geräts A mit einem anderen Gerät B in konstruktiver Weise zusammen zu arbeiten. Nächstliegendes Nichtfremdwort: Verträglichkeit. Schon die genaue sprachliche Analyse deutet auf Probleme: Auch Männer und Frauen gelten nach christlich-abendländischer Lehrmeinung als verträglich. Allerdings werden in Deutschland mehr als 50% aller Ehen unter z.T. bürgerkriegsähnlichen Umständen geschieden. Die Übertragung dieser Erfahrung in die PC-Welt, lässt den Kompatibilitätsbegriff von vornherein sehr fragwürdig erscheinen.

Allerhöchste Vorsicht ist geboten, wenn die Kompatibilität/Verträglichkeit - etwa durch die Angabe "99% Dings-kompatibel" auf einen Wert kleiner als eins eingeschränkt wird. Schliesslich wäre es auch ohne Verletzung der Wahrheit möglich, einen Fliegenpilz als 99% kompatibel mit dem menschlichen Organismus zu bezeichnen. Die Tatsache, dass die verbleibenden 1% der ungesunden Reststoffe einen menschlichen Pilzanwender zuverlässig umbringen stände ja auf einem ganz anderen Blatt.

Fazit: Auch wenn 99 Einsätze des 99%-kompatibelen Systems unspektakulär verlaufen, so wird das Debakel bei der 100. Benutzung doch den nachhaltigen Eindruck beim Benutzer bestimmen. Folglich bedeuten 100 - x Prozent Kompatibilität grundsätzlich nichts anderes als x Katastrophen.

L

Laptop
Mobiler Faltcomputer mit einem in der Regel an ein Waffeleisen angenäherten Design. Deutsche Übersetzung: Oben auf dem Schoß. Diese Benennung des Geräts nach seinem hypothetischen Einsatzort ist böswillig irreführend, denn:

(a) haben sich mit Beginn des Gigahertz-Fiebers die Laptops auch in elektrischer Leistungsaufnahme und Betriebstemperatur dem Waffeleisen-Vorbild angepasst. Gigahertz-Frischlinge, die den Begriff Laptop noch unbedarft wörtlich nehmen, finden sich deshalb regelmäßig mit Hautverbrennungen an den Oberschenkeln in den Notaufnahmen der Krankenhäuser.
(b) werden zum Erreichen der Backtemperatur ungeheure Energiemengen benötigt. Rein schematisch ist ein Laptop deshalb eine Ansammlung von Heizelementen, die um eine absurd teure Batterie herum gruppiert wurden, welche dennoch spätestens nach Eingabe weniger Textseiten entladen ist. Eine weitere Aufbewahrung des Geräts auf dem Schoß ist anschließend sinnlos.

Natürlich arbeiten Hersteller und Nutzer Hand in Hand unermüdlich an einer Möglichkeit, dem Laptop seinen verdienten Platz auf dem Schoß zurückzuerobern, wobei sich tatsächlich erste Lösungsansätze abzeichnen. So hat die Verbrennungssymptomatik (a) erheblich dazu beigetragen, dass sich beim Berufststand der Unternehmensberater wieder Anzüge aus der schwer entflammbaren Schurwolle gegen Kunsfaserstoffe durchgesetzt haben.

Zur Lösung der Energiekrise (b) dienen z.B. die in vielen Zügen der Deutschen Bahn AG befindlichen Steckdosen, die mitgebrachte Laptops mehr oder weniger direkt mit der Oberleitung verbinden. (Der Behauptung, der Laptopbetrieb sei für fast alle Verspätungen der Fernverkehrszüge verantwortlich, da die schoßnah verheizte Energie nicht mehr für die Vorwärtsbewegung des Zuges zur Verfügung steht, ist bislang noch unbewiesen.)

Aber auch der entladenen Laptop kann das Leben seines Besitzers noch so stark verändern, wie kaum eine andere technische Errungenschaft. Denn auch ohne Batteriestrom macht der Laptop ein typisches Reisegepäck in grober Abschätzung
    (a) um 100 % schwerer,
    (b) um 200 % zerbrechlicher,
    (c) um 300 % teurer,
    (d) bei Verlust um 400 % existenzgefährdender und
    (e) bei Kontrollen an Flughäfen zusätzlich um 500% verdächtiger
als ein Vergleichgepäck ohne mobile Rechenmaschine.

So wird durch den Laptop gerade auf Geschäftsreisen vormals undenkbares fast schon alltäglich ( z.B.
der vollständige Verlust der gesamten Buchhaltungsdaten eines mittelständischen Unternehmens im Gedränge der Gepäckabfertigung eines Flughafens.) und die vormals dröge Flugreise wieder zum echten Abenteuer (z.B. durch strafbewehrte Spontankurse des internationalen Kryptografie- und Urherberrechts bei der Zollkontrolle).

Und auch im Privatleben setzt der Laptop neue Akzente: Nach Dienstschluss (?) wird der Angestellte mit Laptop von seinem kompletten Arbeitsplatz nach Hause begleitet. Dort belegt das Gerät dann seinem Namen entsprechend einen Platz, der eigentlich anderweitig an das enge soziale Umfeld vergeben werden sollte. (Vermutlich ist der Laptop das wirkungsvollste noch nicht durch den Vatikan sanktionierte Kontrazeptivum.)

Für alle vom Laptop gezeichneten Leben zum Schluß noch einige Ratschläge zur Linderung der Leiden:
(a) Probieren sie einmal, wie viele Seiten Text sich (ohne Nachladen und ohne Steckdose!) mittels eines Füllfederhalters und eines Briefblocks niederschreiben lassen.
(b) Lassen sie daheim bevorzugt ihr enges soziales Umfeld auf den Schoß und nicht den Computer (Im Büro ist es aber umgekehrt!)
(c) Erwerben sie einmal einen historischen, aber dafür ohne elektrizität lesbaren Datenträger: Ein Buch.

Falls sie übrigens befürchten, ein fehlerhaftes Buch erworben zu haben, weil nach dem Booten (hier auch anachronistisch als "Aufschlagen" bezeichnet) die Buchstaben in völlig wirrer Folge auf dem Bildschirm (Seite) erscheinen, dann beachten sie bitte: Auch wenn bei allen Laptops das Scharnier vom Körper weg gehalten werden soll, bei einem Buch gehört es zwingend auf die linke Seite!


Lebensdauer
Nach einhelliger Expertenmeinung nimmt die Fertigungsqualität elektronischer Geräte immer weiter ab. Die Geräte leben deshalb immer kürzer, je später sie gekauft werden. Aus diesem Faktum läßt sich durch die mathematische Grenzwerttheorie beweisen, dasszu einem bestimmbaren Zeipunkt sämtliche Geräte gleichzeitg kaputt gehen werden. Diese Theorie wird immer wieder eindrucksvoll bewiesen.
Lebensgefährte
Das mit Abstand größte Betriebsrisiko eines feminin genutzten Computersystems.
Der Unfallhergang ist fast immer gleich:
  1. Frau (F) besitzt ein tadellos funktionierendes Computersystem. Briefe oder einen Aufsatz schreiben, die Adressen der Freundinnen verwalten, ein Buch aus der Datenbank recherchieren? Alles ist problemlos möglich.
  2. Lebensgefährte (LG, Version 1.1) wird installiert.
  3. LG entdeckt als zweites Möbelstück in der Wohnung von F den Computer.
  4. LG identifiziert dieses Gerät als archaisch und bringt es innerhalb kürzester Zeit ("aber jetzt doch bitte kein Küßchen, nein, ich habe jetzt wirklich zu tun") auf den absolut letzten Stand der Technik.
  5. Briefe schreiben? "Allgemeine Schutzverletzung!" Datenbankrecherche? "wrdlbrmf.DLL nicht gefunden!" Den Aufsatz drucken? K%nnte sein, da£ das Resultat yiemlich ungew#hnlich aussieht.
  6. Dafür kann jetzt per Modem mit sechs Kumpeln KILLERZORK® gespielt werden. Das hat den Vorteil, daß jeder von den sechs sich nur noch um sein eigenes Bier zu kümmern braucht. Ist allerdings etwas lauter als die Sportschau und verbaut F die Möglichkeit, per Telefon fremde Hilfe anzuheuern.
  7. LG, Version 1.1 wird deinstalliert. Zurück bleibt F (defloriert, desillosioniert) sowie ein Computersystem (destabilisiert). Höchstwahrscheinlich hat LG auch die kleinen Geschenke wieder eingefordert, die er einst als Zeichen seiner Zuneigung machte (1 Ring, 128 MB SDRAM, CD-ROM-Drive, etc.). Nur die Raubkopie von KILLERZORK® ist noch vorhanden.
  8. F verzweifelt: Der Abgabetermin für den Aufsatz rückt näher, die Freundinnen schreiben ob der ausbleibenden Antworten bestenfalls noch Schmähbriefe.
  9. Verzweifelte Frauen sind die besondere Leidenschaft des selbstlosen LG Version 1.2 der sich umgehend selbst installiert. Weiter bei 3. (Es entsteht eine Endlosschleife).


Abhilfe schafft hier der Eintritt in ein Kloster. Oder sie bedienen sich eines dieser einfachen, aber wirkungsvoller Tricks:

 

Lebensgefährtin
Das mit Abstand größte Betriebsrisiko eines maskulin genutzten Computersystems.
Es gibt eine Vielzahl häufiger Unfallhergänge:

Abhilfe schafft hier der Eintritt in ein Kloster, alternativ auch in ein anderes, ähnlich frauenarmes Biotop, z.B. das Haus einer Studentenverbindung an einer technischen Universität (erwerben sie in letzterem Fall eine gegen Bier und Erbrochenes geschützte Tastatur). Oder sie bedienen sich eines dieser einfachen, aber wirkungsvollen Tricks:

 

M

MTBF
Abkürzung für engl.: "Mean Time Between Failures"; Deutsch also: "Mittlere Zeit zwischen dem Versagen". Soll angeben, wie lange sie sich zwischen zwei Totalschäden bzw. Reparaturen ungetrübt an einem Gerät erfreuen dürfen.
Mit der tatsächlichen (und nur postum ermittalbaren) Lebensdauer ist die MTBF grundsätzlich nicht vergleichbar! Sie ist vielmehr eine höchst zweifelhafte Größe, denn:
  1. Ist die MTBF eine statistische Angabe, also gut mit den Beteuerungen diverser Politiker über das Eintreten des Super-GAU eines Atomkraftwerkes vergleichbar: Der Reaktorunfall in Tschernobyl hätte schließlich nach Expertenrechnung gefälligst erst im Jahre 6025 n.C. stattfinden sollen.).
  2. Verringert sich bei mehreren voneinander abhängigen Komponenten die Gesamt-MTBF: Wenn die 1.200.000 gammeligen Transistoren ihrer CPU je eine MTBF von je 100.000 Jahren hätten, würde ihnen trotzdem im Mittel monatlich einer abrauchen. Für die restlichen 1.199.999 gäbe es dann im Übrigen auch keine Verwendung mehr.
  3. Hat ein durchschnittlicher User auch nur eine MTBF von etwa 30 Jahren, was ihn daran hindert, den Versuch seine Bewerbung auszudrucken beliebig oft zu wiederholen.
  4. Haben sich viele Hardwarehersteller zur Rettung ihrer MTBF-Angaben angewöhnt, zur Reparatur eingesandte Geräte solange sinnlos herumliegen zu lassen, bis der MTBF-Wert deutlich überschritten wurde.
  5. Sagt die MTBF nichts über die Art der prophezeiten Katastrophe aus: Sie bleiben also im unklaren darüber, ob zum geweissagten Zeitpunkt nur die Space-Taste klemmt oder gleich der Bildschirm explodiert.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Eine irgendwie verläßliche Vorhersage, wann, wie, wo, warum, wielange, mit welchen Folgen und ob überhaupt ein Defekt auftreten wird, ist anhand der MTBF in keinem Fall möglich. Einzige Ausnahme: der Hersteller gibt als MTBF 0 an. Dann ist das Gerät mit Sicherheit kaputt.

N

Netzwerk
Seit den ersten geschichtlichen Erwähnungen des 'Local Area Networks' in der Griechischen Laokoon-Gruppe ist der Siegeszug der Netzwerke nicht mehr aufzuhalten. Die Intention und das Resultat der Vernetzung sind bis heute die gleichen: Vereint kämpfen, vereint sterben!
Dominierten anfangs noch die 'Sternnetze' (Die Computer stehen ordentlich im Kreis, in der Mitte ist ein großer Knoten), so hat sich heute der sogenannte 'Spaghettitopf-Algorithmus' durchgesetzt: Jeder Netzwerkneuling kauft etwa zehn Meter Kabel und stöpselt sich dann dort ein, wo zufällig dessen Stecker paßt. (Dieses Verfahren ist ursprünglich eine Idee des Militärs; es macht das Netzwerk quasi unzerstörbar: selbst wenn sie ihr größtes Küchenmesser 50 Mal in einen Topf voller Nudeln rammen, ist das Ergebnis kaum vom Ausgangsprodukt zu unterscheiden und immer noch voll funktionstüchtig!)

Innerhalb einer Firma bietet die Installation eines Netztes eine Reihe gravierender Vorteile:

O

Open-Source-Software
Informatischer Exhibitionismus: Jedermann/frau darf den Quelltext beglotzen und womöglich auch noch daran herumfingern. Pfui Teufel! So etwas ketzerisches ist im ganzen abendländischen Kulturkreis nicht mehr vorgekommen, seit Martin Luther den Quelltext eines florierenden Esoterikprogramms ins Deutsche übersetzt hat und so das Seeligmachungsmonopol des damaligen alleinigen Rechteverwerters aushöhlte. Der Niedergang des Abendlandes verläuft seither umgebremst.

Aber es kommt noch schlimmer: In der Regel wird für die Benutzung dieser Art von Software nicht kassiert. Somit hat niemand Geld, ihnen in ganzseitigen Anzeigen zu versichern, wie sehr ihm gerade ihre Wünsche am Herzen liegen und mit welch tiefem Vertrauen sie seine Software verwenden können.

Retten sie also Ihre Seele! Kaufen sie nur anständige Software, von der sie allein die polierte Benutzeroberfläche zu sehen bekommen, nicht aber die maroden Algorythmen, deren Debilität sie nur unnötig beunruhigen würden! (Und halten sie sich von Frauen/Männern fern, bevor sie nicht unbesehen eine/n geheiratet haben!)

P

Penisverlängerung
Die mit Abstand am häufigsten per e-Mail angebotene medizinische Dienstleistung. Wird erstaunlicherweise auf dem konventionellen Postweg fast nie beworben. Es wäre dennoch falsch, daraus Rückschlüsse auf anatomische Unterschiede zwischen Computer-Nutzern und Nicht-Nutzern zu ziehen.

Plug and Play
Deutsch: 'Stöpsele und Spiele' (Imperativ). Klingt zunächst unanständig, stammt aber aus den USA und kann deshalb gar nicht in diesem Sinne verstanden werden.
Vielmehr liegt die Bedeutung darin, daß der Benutzer durch Einstöpseln (plug) einer fragwürdigen Hardwarekomponente die Funktionstüchtigkeit seines gesamten Systems - und folglich seine soziale und wirtschaftliche Existenz - verspielt (play). 'Plug and Pray' würde diesen Sachverhalt eigentlich besser beschreiben.

T

Textverarbeitung
Wie der Name 'Verarbeitung' schon sagt: Das Ausgangsprodukt (verarbeiteter Text) unterscheidet sich relativ drastisch vom Eingangsprodukt (ihre Vorstellung vom Text); treffendstes Analogon des klassischen Maschinenbaus ist ein Fleischwolf.
Allerdings leidet der Vergleich ein wenig unter dem Umstand, daß die Bedienelemente eines Fleischwolfes nicht in Art und Umfang mit der Kommandobrücke des Raumschiff Enterprise zu vergleichen sind. Genau dies ist aber bei einer modernen Textverarbeitung der Fall , die sie dort in die Rolle von Captain Kirk schlüpfen lässt. (Leider müssen sie allerdings auf die vielen freundlichen Damen und Herren in Aerobicanzügen verzichten, die im Film die Handarbeit an den Tasten erledigen.)
Auf der grossen schwarzen Fläche in der Mitte - dort also, wo sie in obigem Szenario der freundliche Vogone anlächeln würde - können sie dann das Ergebnis ihres einsamen Kapitänsamtes bestaunen: Den verarbeiteten Text!
Das Ergebnis einer solchen Verarbeitung besteht bei zeitgemässen Textverarbeitern in:
  1. Dem sinnlosen Aufblasen der Größe der Textdatei. Die simple Mitteilung 'Wir haben vielzuwenig Platz auf der Festplatte', die in archaischer ASCII-Rechnung ein Informationsvolumen von 50 Bytes belegt, wird sofort auf das mindestens 200-Fache dieses Wertes umgearbeitet.
  2. Dem entfernen redundanter Umlaute: 'Sah ein Knab ein Rslein steh, Rslein auf der Heide' ist schliesslich auch in dieser Form nicht ohne kulturellen Wert.
    Die Entfernung wird sukzessive in mehreren Schritten durchgefhrt: Der berwiegende Teil der Umlaute verschwindet sofort, die brigen beim Drucken.
  3. Der Gefährdung ihrer sozialen Existenz durch vollautomatische 'Verbesserung' der Rechtschreibung von Vor- und Familiennamen in häufig beleidigender Weise: Ihr Chef, Herr Dr. Klocke wird zuverlässig in 'Herr der Kloake' umgetauft. Und der Herr hochwohlgeborene 'Greif von Thunfisch und Taxi' wird sie sicherlich auch nie wieder zum Empfang auf die Burg laden.
  4. Dem sogenannten 'Umbruch' der Textzeilen, der hi-
    er noch etwas wir-
    klich Revolutionäres hat.
  5. Dem Einfügen von Bildern, Logos und Zeichnungen in einer Vielzahl von ebenso unbeabsichtigten wie unzweckmäßigen Größen, Farben und Positionen. Immerhin wird ein großer Teil solcher Kuckuckseier auf dem Weg zum Drucker wieder entfernt.
  6. Der regelmäßigen totalen Vernichtung des eingegebenen Textes.

V
Virus
Bezeichnung für ein Programm, das in mehr oder weniger arglistiger Weise Daten manipuliert, massakriert oder große Mengen sinnloser Daten ueber den hilflosen Benutzer auskippt. Und dies alles ohne dessen ausdrückliche Zustimmung durchführt.

Sie sind sicher, keinen Virus auf ihrem Computer zu finden? Falsch! Schliesslich befindet sich dort wohlmöglich das Betriebssystem, das bei der Installation als allererstes mehrere hundert Kilobyte digitalisiertes 'Tätää' auf ihre frischgewaschene Festplatte sudelt. Auch wenn ihr PC mangels Soundkarte damit gar nichts anzufangen weiß: Sie werden nicht gefragt.
Oder sie haben da ein bezauberndes Grafikprogramm, das ihre gesamten kreativen Ressourcen von drei Tagen innerhalb von Sekunden in eine häßliche Fehlermeldung verwandelt. Und auf jeden Fall lümmelt sich gerade in diesem Augenblick irgendwo in ihrem Computer eine Kopie dieses sinnlosen Textes herum, die ihr Internet-Browser dort angelegt hat. Haben sie das wirklich so gewollt?

Z

Zukunftssicherheit
Neu erworbene Computersysteme sind grundsätzlich veraltet, sobald sie den Laden ihres Händlers verlassen haben (Probieren sie es selbst aus, indem sie versuchen, ein neu erworbenes System am nächsten Tag wieder zurück zu geben). Mit der Forderung nach "Zukunftssicherheit" wird deshalb der fromme Wunsch des Käufers formuliert, das teuer erworbene Gerät solle zumindest bis zur Abzahlung des Überziehungskredits in der Lage sein, elementare Funktionen (Booten, Surfen, Solitaire) auszuführen, ohne zwischenzeitlich unter dem Trommelfeuer von Software-Updates und Service-Packs zu kollabieren. Ein solcher Kollabs wird als besonders unangenehm empfunden, weil er beim Benutzer stets die unangenehme Assoziation auslöst, auch selbst bereits zum alten Eisen zu gehören.

Da aber ohne die beschleunigte Vergreisung sämtlicher Artikel der PC-Markt kollabieren würde, gilt grundsätzlich: Das System der Zukunft ist immer eines, das sie noch nicht haben. Und schliesslich behaupten alle fortschrittlichen Computerhersteller einmütig: "Die Zukunft hat bereits begonnen!"...

 


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Bisher erteilte Hilfeleistungen:


© 1997 -2003 by Georg Eggers // Letzte Modifikationen: 12. August 2003
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